Berge und weites Land im Süden Kolumbiens

In der Tourismuszentrale von San Agustín erklärt mir ein Muchacho den Weg zum Zeltplatz. Beim Bäcker treffe ich Claudia, die auch im Tourismus arbeitet und eine Finca etwas außerhalb des Ortes hat.

Ihr Kollege David fährt mich mit dem Motorrad den Berg hinauf zu El Tablon, einem Museum mit 5000 Jahre alten Steinskulpturen. Zum Museum fällt ein Hang steil ab, unten links führt ein kleiner Weg weiter hinab, über eine Bambusbrücke auf die Finca. Ein Lehmhaus steht darauf, einige Orangenbäume. Hühner picken im Gras, ein Pferd weidet am Bambuswäldchen. Dort kann ich das Zelt aufstellen. Kurz werden mir die Bewohner vorgestellt, Diego lebt dort mit seinen drei Kindern Vanessa, Julieta und dem kleinen Diego ein einfaches und glückliches Leben. Die Küche ist ein Holzverschlag hinter dem Haus. Ein Holzbalken als Arbeitsfläche, darauf der aus Lehm gebaute Herd mit zwei echten Flammen. Wasser gibt es aus einem dünnen Rohr aus dem Bach, das Klo steht mitten auf der Wiese, dahinter Hühnerställe.

David bringt mich für Benzingeld (das doppelte) zu El Estrecho de Magdalena, wo der längste Fluss des Landes eine minimale Breite von 2,20 Metern hat. Wahrscheinlich hat er an der Quelle einen anderen Namen.


Am Abend treffe ich einen weiteren Bewohner der kleinen Farm, Roberto, ein junger Anwalt, der Arbeit sucht und die Zeit rauchend, philosophierend in der Natur verbringt. Wir verbringen sie die nächsten Tage gemeinsam, am Fluss, im Ort und noch einmal am Estrecho de Magdalena, diesmal gelaufen und getrampt, mit Colin aus Frankreich.

Mit David mache ich noch einen Reitausflug zu El Purutal, bemalte Steinskulpturen, die einen Schamanen, der ein Kind opfert, und eine die Fruchtbarkeit symbolisierende Figur darstellen, und zu La Chaquira, einem Ausguck im Canyon, wo ebenfalls eine Steinskulptur steht. Da das zweite Pferd auf der Finca arbeitet, fährt David auf dem Motorrad vor oder hinter mit her. Meist reite ich allein durch die Felder, die Hänge hinauf und hinab. Wenn Valeriana richtig Lust hat zu laufen, galoppiert sie die Anstiege hinauf. Das macht Spass.

Nach einer weiteren ruhigen Woche mit viel Schlaf begleitet mich Roberto in den Ort, wo ich mit dem Collectivo nach Pitalito, weiter ins Flachland hinab über Florencia bis nach San Vicente fahre.

Ich warte in San Vicente auf den letzten Bus nach La Macarena. Vielleicht kann ich dort meinen Ohrwurm von Rio Magdalena zu Hey, Macarena berichtigen. Oder den Fluss der sieben Farben und die Cowboys in den Straßen des Ortes sehen, wie mir Tom, den ich am Collectivostand treffe, empfiehlt. Ich warte zwei Stunden am Fluss, es riecht gelegentlich nach Exkrementen.

In La Macarena mache ich so ziemlich nichts. Schlafen und Fernsehen. Es gibt eine Sendung, in der ein Mann und eine Frau 21 Tage nackt in der Wildnis überleben. Sie bauen Biwaks, machen Feuer, jagen Schlangen und Fische, frieren.

Ich fahre auch in den Dschungel. Zurück zum Ende der Welt und von dort noch weiter. Bis ich im grünen Irrgarten verschwunden bin.

2 Kommentare

  1. Rolando

    Bettina, geil, bin auch nackisch durch den Regenwald auf Tobago gehopst..das ist klasse, hier ein Blättchen, da ein Blättchen.. dort ein Wasserfall. Leben. Ich wünsch Dir was.. Greetings aus dem arschkalten DE.. Klimaerwärmung Haha.. eine Eiszeit kommt Leute, lasst Euch nicht vera•••• .. bleib bloss dort so lange wie du Lust hast.. Alles Gute Dir. Dein Rolando

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