Was für ein Geschenk, Galapagos

Schnorchel und Taucherbrille, Badesachen, Sonnencreme, Sonnenhut, lange Schwimmsachen gegen Sonnenbrand, Instantnudeln. Der Rucksack ist leicht gepackt für den Urlaub am Meer.

Zeitig verlasse ich Casa Tulia, die Familie schläft noch. Mit dem schnellen Bus fahre ich zum nördlichen Busbahnhof und von dort mit dem silbernen Bus zum Flughafen. Zeitiger als gedacht, bin ich dort und verbringe die Wartezeit draußen auf der Raucherbank. Dort kann ich die in Taxis ankommenden Fluggäste beobachten. Eine dicke blonde Frau kommt aufgelöst keuchend auf mich zu und berichtet, sie sei bestohlen worden, Handy, Computer, Geld, alles weg. Ihre Botschaft (Südafrika) sitzt in Lima, sie braucht Geld für den Bus, viel Geld für den direkten Bus. Ich drücke ihr $5 in die Hand und wünsche ihr viel Glück.
Wenig später telefoniert ein Guayaquileño aufgeregt rauchend neben mir. Er war zur Geburtstagsfeier eines Freundes gekommen und wurde in der Disko bestohlen, Handy und Portemonnaie weg.

Stunden später und $20 ärmer wegen des Gepäckscans nach Früchten und Samen, sitze ich im Flugzeug nach Baltra auf Galapagos.

Der Flughafen ist fußläufig, zwei Gates, Einreisestempel, $100 Eintritt, $5 für den Bus zur Fähre und weiter mit dem Bus nach Puerto Ayora.

Im im Internet gepriesenen Hostel Gardner gibt es Diskussion wegen des Preises, booking schreibt uns verschiedene Versionen. Nach einer sturen Diskussion in der Hitze einigen wir uns auf einen Kompromiss, eine Nacht mit Frühstück.

Am Abend sehe ich den Haien und Schildkröten von der Muelle, dem Pier, im Sonnenuntergang zu. Lenín und Roberto sprechen mich an, verraten mir die kostenlosen Kostbarkeiten der Insel Santa Cruz. Wir kaufen Gemüse beim Händler und verabreden uns für später zum Kochen auf dem Boot. Geduscht und abgekühlt warte ich eine Weile auf Lenín. Am Pier fällt ihm ein, dass wir Caña trinken können. Wir kaufen eine Flasche. In einem Blumenkasten am Pier hat er noch Limetten versteckt. Mit einem kleinen Motorboot fahren wir zur Pirata, einem Holzkutter für bis zu acht Wissenschaftler und eine dreiköpfige Crew. In der hölzernen Kombüse kochen wir Nudeln mit Shrimps, Brokkoli und Möhre. Dazu Caipirhina à la Galapagos auf dem Deck des schaukelnden Kahns im Hafen von Puerto Ayora.

Mit Sonnenaufgang erscheine ich zum Frühstück und mache gestärkt einen Ausflug zur Darwin Station und an den Strand dahinter. Erster Kontakt mit Iguanas und Krabben. Das Meer rauscht.

Am Fischstand sitzen auch der berühmte Seelöwe und zahlreiche Pelikane. Die Marktfrauen wedeln mit Fliegenklatschen die Fliegen von den großen bunten Fischen.

Am späten Vormittag treffe ich Lenín am Pier zum Schnorcheln. Mit dem Taxiboot fahren wir an der Pirata vorbei auf die andere Seite des Hafens, laufen an der Playa de los Alemanes vorbei zu Las Grietas, einer engen Schlucht mit glasklarem Wasser. Große bunte Fische, Tauchen durch einen Steintunnel, Felsen in der Mittagssonne.
An der Playa de los Alemanes gibt es Schildkröten und kleine Haie zu sehen. Die Sicht ist nicht so gut.

Am Nachmittag mache ich einen Spaziergang zum langen, diesigen Playa de las Tortugas, eine endlose weiße Elfenbeinküste mit hohen Wellen und warmem Wind. Und Mücken im Gebüsch. Für Schnorcheln ist es schon zu spät, die Parkwächter pfeifen ab fünf Uhr die Gäste zum Rückweg. Der ist weit, ich bin schon wieder verschwitzt.

Am Morgen kein Frühstück. Noch einmal zum Strand an der Darwin Station. Dort treffe ich Junior, den besten Schwimmer von Galapagos, der mich zum Schnorcheln einlädt und durch das klare Wasser in die Mangroven zieht.

Nachmittags fahre ich mit dem Boot zwei Stunden nach Westen auf die Insel Santa Cruz.

Couchsurfen auf Galapagos. Bei Fredy ist schon eine andere Couchsurferin aus Deutschland, sie sind surfen, als ich auf seinem Baustellengrundstück ankomme. Ein kleines Haus mit offenem Klo und Dusche, ein Beet mit Papayas und Aloe Vera. Ein Palmenbaumhain mit Wasserkanälen, eine Küche zwischen den Bäumen und ein Zelt, das über dem Wasser schwebt. Da keiner kommt, dusche ich erstmal und mache einen Spaziergang zum Strand und in den Ort. Zum Sonnenuntergang sehe ich in der Lagune zwei Flamingos zu, im Hintergrund scheint der Vollmond.

Fredy ist Surfer, geboren auf Santa Cruz, hat sich ein Grundstück am Ortsrand gekauft, in der Nähe des Hafens und von Concha Perla, einer kleinen Bucht, in der wir jeden Morgen Schnorcheln gehen. Neben gelblippigen schwarzen Fischen, gibt es blau gelb silbern gestreifte, grüne mit weißen Punkten, braune und viele mehr. Ein Tunnel führt durch das Lavagestein. An der Wasseroberfläche ziehen manchmal Iguanas schwanzwedelnd vorbei, Seelöwen tummeln sich im Wasser und auf dem kleinen Holzsteg. Und dann zischt ein Pinguin im Wasser an mir vorbei.

Der Ort ist klein, einige Strandbars, Hostels, Restaurants, Agenturen. Die Wege sind sandig, die Strände lang und breit und weiß. Die Wellen rauschen lang.

An der Flamingolagune vorbei führt ein Weg über Holzstege und durch niedrigen Wald zur Schildkrötenaufzucht, ein von der UNESCO unterstütztes Projekt zur Erhöhung der Populationen.

Am Strand entlang führt ein Weg durch die felsige, zerklüftete, später trocken bewaldete Natur. Auf der Schotterstraße verweilen große Landschildkröten. Sie sind etwas scheu.

Fredy macht den ganzen Tag lang nichts, während zwei ältere Männer mit einer Schubkarre einen Haufen Lavasteine vom Grundstück schafft. Sie arbeiten nicht für ihn, sondern mit ihm. Komisch, dass er entweder in der Hängematte zu Musik chillt, von seiner Großartigkeit und seinem nachhaltigen Projekr oder surfen ist. Seine Arbeitsfreunde kochen auch. Das heimische Porquito vom Profe ist zart und schmackhaft.

Eine Fahrt mit dem Bus ins Hochland zeigt mir die grüne, fruchtbare Seite der Insel. Olaf, den ich am letzten Abend in seinem Strandhotel kennenlerne, möchte dort oben Achtsamkeitskurse mit der auf YouTube bekannten Mojo Di für $3.000 anbieten, damit das Gelernte gleich erfahren werden kann. Eine teure Askese. Olaf kommt aus der Nähe von Münster, war 20 Jahre mit einer Frau zusammen, die lieber mit dem Hund auf der Couch zuhause sitzt, als mit dem unternehmungslustigen Olaf Segeln, Wandern, Motorradfahren oder auf Reisen zu gehen. Er arbeitete im Baumarkt und lernte dort eine andere Frau kennen, wodurch er sich schließlich von seiner Frau trennt. Als er mit einer ebenfalls im Baumarkt kennengelernten Frau nach Berlin zieht und eine WG aufmacht, nimmt das Leben seinen Lauf. Arbeit findet er sofort wieder im Baumarkt. Und die Freundin der Freundin kommt mit ihrer Familie aus Galapagos zu Besuch nach Deutschland. Er kutschiert sie durch das Land und wird im Gegenzug auf die Insel eingeladen. Keine Zeit, kein Geld. Aber nach einem Jahr Baumarkt gibt es Arbeitslosengeld. Mithilfe der Freunde auf Santa Isabela lässt sich eine Freiwilligenstelle erfinden und Olaf kann für ein Jahr nach Galapagos. Erst arbeitet er auf einer Farm, dann im Restaurant, dann wird er einer Bekannten vorgestellt, sie arbeiten zusammen und nach drei Wochen zieht er bei ihr ein. Er dachte, sie würde ein Zimmer untervermieten, sie wird seine Frau. Jetzt ist sie schwanger und gerade mit dem Schiff vom Krankenhaus in Puerto Ayora zurück auf die Insel unterwegs. Olaf hat den Hauptgewinn gezogen, ein Ausweis für Galapagos. Alle anderen müssen nach 60 Tagen wieder weg.

Am letzten Tag schnorchle ich erst in Concha Perla und danach auf der anderen Seite des Hafens. Zwischen ein paar Lavaklippen im weißen Sandstrand schwimme ich erst mit Robben, dann entdecke ich einen Rochen und später kann ich ganz nah an drei sich putzende Pinguine herantauchen. Draußen fliegen Pelikane im Sturzflug in die Wellen. Ein Paradies.

Mit dem Schiff zurück nach Puerto Ayora. Ich kann wieder hinten mit Fahrtwind sitzen, das ist gut gegen Seeübelkeit, dafür spritzen die Motoren ordentlich Salwasser. Völlig vom Salzwasser verklebt komme ich nach zwei Stunden auf Santa Cruz an, am Pier holt mich Junior ab, bringt mich in sein leeres Haus, kocht Kaffee und Spaghetti und legt die blue Ray Die Bücherdiebin ein. Eine seltsame Kombination. Galapagosparadies und ein Film über Deutschland in der Nazizeit.

Früh verschwinde ich mit Sonnenaufgang zur Fähre nach San Cristobal. Diesmal kann ich oben sitzen, da kommt nicht soviel Spritzwasser. Dafür kommt eine Regenwolke und nässt uns ordentlich ein. In Puerto Baquerizo suche ich ein preiswertes Hostel und mache einen Spaziergang zum Playa Punta Carola, an der Darwinstatue vorbei zur Bucht Tijeretas. Von dort geht es über den Berg, durch den Wald, am Strand entlang und über unzählige kantige Lavasteine eine Stunde zum einsamen, traumhaften Strand Baquerizo. Außer mir sind noch zwei Seelöwen, Krabben und Iguanas da.

Das ist der Weg.

Am Morgen, vor dem verschlossenen Laden, es ist Sonntag, es ist Wahltag, es ist mein Geburtstag, treffe ich Christopher, einen sehr redseligen Menschen, der hier als Guide zum Leon Dormido, den berühmten Kicker Rock, arbeitet. Dort gibt es Hammerhaie. Da ich gerade meine Tage habe, verzichte ich auf die Begegnung.
Christopher verspricht mir Melone und Massage und geht arbeiten. Ich laufe an Fußballstadion und Flughafen vorbei zur La Lobería, einer Bucht zum Schnorcheln. Ein Pfad führt einen Kilometer weiter auf die Klippen. Dort rasten viele Rotfußtölpel, das Pendant zu den blaufüßigen Kollegen. Die Brandung rauscht unter mir, weiße Wellen rollen auf die Klippen zu.

Zurück in La Lobería tauche ich mit dem Schnorchel in die Unterwasserwelt ein und schwimme mit Schildkröten. Nahe am Strand haben sie eine Putzerstation. Acht Schildkröten schweben im Kreis und lassen sich von Fischen abknabbern.

Ein weiterer Ausflug in die nördliche Bucht Tijeretas und ein kläglicher Schnorchelversuch in der starken Brandung. Zwei Seelöwen tummeln sich im Wasser. Als ich langsam durchs Wasser gleite, kommt einer der Seelöwen auf mich zu und dreht ein paar Runden um mich. Ich drehe mich in leichter Panik mit ihm um die eigene Achse. Ich habe Angst, er will meine Füße fressen. Ich rette mich auf die Klippen und werde barsch von einer Welle umgeworfen. Dabei fließt Blut. Damit beende ich den Versuch und laufe erneut über den Berg, durch den Wald, über Lavasteine, am Strand entlang bis zum letzten einsamen Strand Baquerizo. Erneut Schildkröten und große, bunt schillernde Fische. Später kommt Christopher dazu und redet und redet und redet. Am liebsten über Sex. Ich bitte ihn, das Thema zu wechseln.
Als der Strand leer ist, stelle ich mich nackt in die ankommenden Wellen. Das Meer ist stark, manche Wellen reißen mich fast mit sich. Ein unglaublich großes Gefühl von Freiheit und der unheimlichen Kraft der Natur.

Am nächsten Morgen gehe ich noch einmal an den nahe gelegenen Strand Punta Carola und genieße das rauschende Meer, während vor mir in den türkisfarbenen Wellen eine Schildkröte schwimmt. Abschied vom Paradies.

Er fällt schwer.

Ein Kommentar

  1. P.

    Ein Glück, dass Du meine Empfehlung mißachtet hast. Tja, manchmal ist es doch besser, seinem Inneren zu folgen als Tips von anderen. So hast Du dieses Paradies entdeckt – und es war auch eines!!! Weiterhin solch schöne Erlebnisse, die die Seele streicheln.
    Wir denken viel an Dich!
    Deine P.&M.

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