Vilcabamba – kurzweilig im Tal der Langlebigkeit

Vilcabamba – Valle de la longevidad ist auch der weiße Westen, eine Art Aussteigerort für betagte Amis. Sie genießen hier das milde Klima, die niedrigen Preise, die Sonne. Kaufen Land und treiben die Preise in die Höhe.

Mein Gastgeber Pacífico ist Kanadier. Er kümmert sich um das Guesthouse einer alten Kanadierin und hat im Hof einen Garten angelegt. Seine Gäste sind vorrangig Amis, die gern und viel über sich reden. Mit Rome folge ich am nächsten Tag einem fb-Aufruf zum Bäumepflanzen. Zwei Stunden verteilen wir kompostierte Amerikanerscheiße und düngen damit die kleinen Bäumchen. Es soll ein Vorzeigeprojekt für Wiederaufforstung der Region sein. Zum Dank gibt es ein gesundes grünes Essen und einen schönen Ausblick.

Den Rest des Tages genieße ich die Ruhe im Guesthouse und die beste Dusche meiner bisherigen Reise. Freitag beginnt der Karneval. Im Ort wird eine Bühne aufgebaut. Die Kinder decken sich mit Wasserbomben und Schaumdosen ein. Es soll eine große Sauerei werden.
Ich besteige am nächsten Tag den Mandango, obwohl ich mehrere Warnungen zur Sicherheit gehört habe. Unterwegs treffe ich ein französisches Pärchen, die, wie ich, den auf Maps.me angezeigten Rundweg suchen. Eine hübsche und teils gefährliche Wanderung auf dem bröckligen Grat des Sandbergs, die am Ende viel weiter ist als gedacht.

Hungrig falle ich beim Chifa ein und verschlinge eine Plancha de verduras, auf heißem Stein serviertes gebratenes Gemüse. Ein Minztee in Pacíficos Garten rundet den Tag ab, während er mir die Pflanzen und seine Reisepläne erklärt. Dann schultere ich den Rucksack und ziehe ein paar Blocks weiter in die Holzhütte von José. Im Gegensatz zum Guesthouse wohnt er sehr spartanisch mit Miguel, Angel und dessen Freundin Laura in einer auf Stelzen gebauten Hütte im Dschungel am Bach. Ich kann auf dem Bett neben der Küchenecke schlafen, Miguel zieht dafür in ein Zelt im Garten um.

Die vier sind ziemlich nachtaktiv, ich bin nach der Wanderung fertig und schlafe schon früh und am längsten. Morgens laufen wir in den Ort, um Zutaten fürs Frühstück zu holen. José bäckt Arepas, Maisfladen. Dazu gibt es Avocado-Tomaten-Pampe und Ei.
Als Angel und Laura anfangen wie ein Paar zu streiten, schnappe ich meinen Rucksack und verabschiede mich zu den Wasserfällen. Eine Wanderung am Fluss entlang, die kurvige Straße durch die entlegenen Viertel Vilcabambas, einen Pfad das Tal hinauf. Ich verirre mich einige Male, krieche durch dorniges Gebüsch den Hang hinauf und finde den Weg. Ein zweites Mal hänge ich im Gebüsch, das Gras hält kaum mein Gewicht. Dann ein verschlossenes Tor auf dem Weg. Eine Spur führt am Hang entlang, ich ende im Gras hängend an einem sehr steilen Abhang. Es hilft nichts, ich klettere an einem Busch durch das Gras hinauf und schnaufe erleichtert, als ich den Grasüberhang gemeistert habe. Das war wirklich gefährlich. Der Weg zieht sich den Berg hinauf, dunkle Wolken ziehen am Himmel auf. Es fängt an heftig zu regnen. Erst kann ich noch unter einer Kiefer Unterschlupf finden, dann bin ich auch schon durchnässt vom satten Sommerregen. Ich kehre um und wähle diesmal den oberen Schleichweg um das verschlossene Tor, überklettere fluchend 20 Meter höher den Stacheldraht und rutsche den nassen Abhang hinunter. Ich laufe fast zwei Stunden klatschnass und mit kalten Händen ins Tal zurück in die Holzhütte. Schlafen.

Während die Anderen zum Karneval gehen, Bier trinken und sich gegenseitig mit Wasser und Schaum bespritzen.

Ein Ruhetag, viel essen, viel schlafen, viel Regen am Abend, richtig viel Regen. Miguel bereitet venezolanische Arepas zu. Lulu und Angel singen zur Gitarre. Später kommt José durch den Regen dazu.

Drei Tage lang dröhnen basslastig mehrere Musiken durch die Luft – der Regen verschluckt sie letztendlich alle. Ich möchte weiter und weiß noch nicht, wo ich dieses erholsame, stille Paradies in Ecuador finden kann.

Ein Kommentar

  1. M&P

    Wir freuen uns, dass Du die abenteuerliche Schlammschlacht erst mal überstanden hast und wünschen Dir viel Sonne bei erträglichen Temperaturen (es geht doch nach Norden).
    Wir freuen uns auf weitere Lebenszeichen!
    Deine M&P

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