Laguna 69

In Huaraz buche ich die Panorama Tour bei Akilpo. 2 Uhr Aufstehen, 3 Uhr werde ich abgeholt. Wir fahren eine Stunde asphaltierte Straße mit Verkehrsberuhigungshügeln alle 100 Meter nach Yungay und weitere zwei Stunden auf holpriger Straße in die Berge hinauf – an Schlaf ist nicht zu denken. Oben gibt es eine grandiose Aussicht und ein ebenso grandioses Frühstück mit Früchten, Müsli, Joghurt und in Nutellacrepe gewickelt Banane. Gestärkt beginnen wir die Wanderung durch einsame Bergwelten bis zur Laguna 69.

Der Aufstieg ist anstrengend. Die Verdauungsprobleme aus Lima mit tagelangem Durchfall und die schlaflose, kurze Nacht fordern ihren Tribut in der Höhe über 4000 Meter. Ich fühle mich wie eine 80-Jährige, die den Mount Everest besteigen will. Kurz vor dem Erbrechen, leichte Kopfschmerzen, Atemnot, ganz gaaaaanz langsam gehen, Pausen machen. An der smaragdgrünen Lagune angekommen, wo schon einige Wanderer Selfies schießen, meldet sich mein gestresster Darm, ich eile zum einzigen Busch und hinterlasse einen gelbgrün gemusterten Haufen, Durchfall mit wunderschöner Aussicht. Ein Selfie mache ich nicht, dafür steige ich japsend, vom Guide freundlich motiviert weitere 200 Meter hinauf zum Mirador.

Ein kurzer Augenblick der Entspannung, schon müssen wir wieder hinunter zur Lagune, wo die Gruppe auf den Abstieg ins Tal wartet. Erst steil und steinig, dann gemütlich flach durch das grüne Tal, in dem Kühe weiden und weiße Gletscherbäche rauschen.

Gute Werbung oder Beweis für Drecksglobalisierung?

Bei einem Erdbeben in den 70ern, starben 20.000 Menschen in der Region wegen massiver Erdrutsche und Lawinen. Danach wurde das Wasserlevel der Lagunen herabgesetzt. Die sichtbaren Reste von Steinhütten sind nicht aus der Inkazeit sondern waren die Hütten der Arbeiter.

Hinab geht es einfacher, dennoch fühle ich mich etwas benommen und energielos. Eine Koreanerin wird nach Luft japsend und jammernd den Berg hinunter gestützt, ihr Mann bedankt sich später mit Geld beim Guide, dass er seine Frau gerettet hat.

Kurzer Fotostop an einer weiteren Lagune auf dem Rückweg

Die Busfahrt zurück nach Huaraz ist wieder die Hölle, schlafen unmöglich. Das Mittagessen liegt auf dem Sitz neben mir, ich hatte keine Zeit zum Essen und auch keinen Appetit. Als der Fahrer besonders hart bremst, rutscht die Dose, die ich den ganzen Weg hinauf und wieder hinab schleppte, vom Sitz und kippt Kuchen und Melone auf den Boden des Busses. Der Franzose vor mir reicht mir lächelnd alle Teile über die Lehne. Dann schaue ich auch mal, was es denn gegeben hat. Ein Gemüsecurry, das ich mir kurzerhand, nach hiesiger Art in eine Plastiktüte umfülle, um es im Hotel Virgen del Carmen zu essen. 1000 Meter tiefer und endlich angekommen, kommt auch der Appetit wieder. Ich brauche Erholung, nur wie und wo? Und ich brauche Motivation, nur wie und woher?

Blick von der Hotelterrasse über Huaraz
Am Markt in Huaraz

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