Lima ist zum Kotzen

Bei Couchsurfing habe ich Nacho gefunden, der mich drei Nächte in seinem museumsartigen Heim in Miraflores beherbergt. Das Haus gehört seiner Familie. Die Wohnung im oberen Geschoss ist vollgestopft mit allen möglichen Andenken aus aller Welt – zwei Kuckucksuhren hängen auch an der Wand, eine Pfeifensammlung, eine Vitrine voller kleiner Pistolen. Wahrlich ein Museum, ein ziemlich verstaubtes.

Wir machen einen Spaziergang am Malecon, an der Steilküste zum Pazifik, die sich sehr modern zeigt. Ich könnte bald glauben, Lima sei sehr grün, sportlich und schick. Aber das ist nur der westliche Rand der Millionenstadt in der Wüste am Meer.

Lima ist auch die Graue, weil oft Wolken die Sonne verdecken. Dann ist das Meer nicht vom Himmel zu unterscheiden. Am Rand der Steilküste sehen wir der Sonne beim Untergehen zu und Nacho erzählt von seinem Großvater, der damals in den Bergen wandern war. Sie hatten nichts mehr zu essen. Als sie hungrig in ein Dorf kamen, fragten sie eine Bäuerin nach Essen. Ja, meinte sie. Gibt es Kartoffeln? Ja. Was kostet es? Ein Sol. Gibt es auch Mais? Ja. Was kostet es? Ein Sol. Gibt es auch Paprika? Ja. Was kostet es? Ein Sol. Gibt es auch Erbsen? Ja. Was kostet es? Ein Sol. Gut, mach uns eine Suppe. Sie kocht die Suppe, sie essen und genießen. Was kostet es? Ein Sol. Die Frau nimmt das Geldstück, schlägt mit einem Stein ein Loch hinein und hängt es sich um den Hals. Ein Sol.

Am nächsten Tag bringe ich meine verschwitzten und beschlammten Wandersachen zur Wäscherei und laufe den Malecon in die andere Richtung ins Bohème-Viertel Barranco auf der Suche nach Street Art. Vor ein paar Jahren hat der Bürgermeister 60 Gemälde gelb überstreichen lassen. Daraufhin haben sich die Künstler organisiert und bei einem Festival zahlreiche neue Gemälde an die Wände der Stadt gezaubert. Einige konnte ich bei meinem Streifzug entdecken.

In der Mittagshitze esse ich in einem Restaurant das Mittagsmenü und laufe wenig später mit gespanntem Bauch zurück nach Miraflores und kotze alles wieder aus. Dann schlafe ich und den nächsten Tag gleich mit. Lima ist zum Kotzen – zumindest für mich.

Da Nacho mit seinem Cousin und dessen brasilianischer Freundin zum Strand fahren wollen und meine drei Nächte bereits verschlafen sind, fahre ich kurzerhand mit dem Bus wieder in die Berge nach Huaraz, dem Trekkingzentrum der Cordillera Blanca.

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