Machu Picchu für Misanthropen ;)

Wem Machu Picchu zu überlaufen oder zu teuer ist, der kann – sofern körperlich in Form – nach Choquequirao ausweichen und fast unberührte Ruinen entdecken. Noch!

Der Choquequirao Trek liegt inmitten der Vilcanota Berge. Die 4-Tage-Wanderung führt tief hinab in den Apurimac Canyon und noch höher hinauf zu den archäologischen Resten der Inkas auf dem Quriwayrachina.

Nach einigem Zögern, sitze ich mit einem Rucksack voll Essen (Rahmen, Trockenfrüchte, Nüsse, Thunfisch, Brot, Käse, Äpfel, Möhre) im Bus Richtung Abancay, der vier kurvige Stunden durch wunderschöne Bergkulissen fährt, bevor ich am Abzweig nach Cachora rausgelassen werde. Dort wartet bereits ein weißer Kombi, ein Sammeltaxi mit vier Fahrgästen, in den Ort. Zu viert quetschen wir uns auf die Rückbank. Sie teilen gekochten Mais und Fleisch aus der Tüte und kichern in einer Tour den Berg hinab. Der Ort ist wie ausgestorben, das empfohlene Hostel wegen Umbaus geschlossen.

Im Casa de Salcantay finde ich Unterschlupf bei Jan Wilhelm van Delft, einem alten Bergsteiger, der die Ruinen damals noch erkletterte, bevor es den steilen Weg hinauf gab. Ich schlafe hervorragend in dieser Ruhe und mache mich am nächsten Morgen früh auf den Weg nach La Colmena, kurz vor dem Mirador Capuliyoc, wo der Trek für 60 Soles offiziell startet. Der Weg führt durchs Dorf und dann hinauf zur Straße. Ich bin schon zwei Stunden gelaufen, als mich das Taxi mit Peto aus Peru und Fernando aus Chile aufsammelt. Sie werden meine Begleiter für die nächsten – anstrengenden – vier Tage. Capuliyoc liegt auf 2970 Metern. Der erst mattschige, in Wolken gehüllte, dann sanfte, dann steinige Abstieg in praller Sonne endet in La Playa am Fluss auf 1550 Metern. Vor zwei Jahren wurde die Brücke weggespült, die neue Brücke ist etwas höher und massiver gebaut.

Auf der anderen Seite beginnt der Anstieg im unzähligen steinigen Serpentinen. Wir erreichen gegen vier Uhr das kleine, vom jungen Ronaldiño betreute Camp Santa Rosa Baja, bauen unsere Zelte auf und kochen auf der grünen Zeltterrasse unser Abendessen. Die Nacht ist warm und still, es regnet.

Am Morgen regnet es weniger, unter einem Wellblechdach kann ich das Zelt etwas trocknen, bevor wir den Aufstieg im Regen fortsetzen. Im Örtchem Marampata kehren wir im Haus mit den zwei Lamas bei Señora Elvira ein. Sie kocht eine köstliche Suppe für uns, gefolgt von Reis mit Quinoa, frittierten Kartoffeln und Ei. Dazu gibt es Mais und Mate de Coca.

Mit vollem Magen legen wir die restliche Strecke bis zum Zeltplatz Choquequirao zurück, wo wir die Rucksäcke unterstellen können, um bei herrlichem Wetter einen ersten Blick auf die Ruinen zu werfen.

Auf dem Plateau Usnu de Choquequirao versüsst uns ein Regenbogen den bereits atemberaubenden Ausblick in die Berge, die Schlucht und auf die Ruinen.

Der Zeltplatz ist etwas schief, so kann das Wasser von den Terrassen abfließen und ich kullere in der Nacht immer wieder bergab. Am Morgen laden mich die Bauarbeiter in der rustikalen Küche zum Essen ein, es gibt Reis mit frittierten Kartoffeln und Fleischstücke. Dazu dramatische Nachrichten im Autobatterie-betriebenen Flatscreen-Fernseher.

Mehr als satt steigen wir ein zweites Mal zu den weitläufigen Ruinen hinauf, um die auf der anderen Seite des Berges, 400 Meter tiefer gelegenen Lama-Terrassen und den oberen Sektor zu besichtigen. Erst gehen 1 Uhr kehren wir zum Camp zurück.

Die Sonne scheint uns wohlgesonnen, wir packen die Zelte trocken in die Rucksäcke und machen uns auf den anstrengenden Rückweg. In zwei mörderischen Etappen laufen wir den Berg hinab zum Fluss, die Knie glühen, die Glieder schmerzen. Eine kurze Pause und weitere 40 Minuten 400 Meter Anstieg zum Zeltplatz Chiquisca. Es ist schon dunkel, als wir die Zelte aufbauen, währenddessen bereitet uns die Señora Spaghetti mit Thunfisch-Tomatensoße zu. In der Nacht regnet es wieder. Auch in meinem Zelt. Wegen der schlechten Belüftung des leichten Biwakzeltes sammelt sich das Kondenswasser an den Deckenwänden und wird dann von den Regentropfen als feiner Regen im Zelt wieder nach unten gesprenkelt. Ich gewöhne mich an den Nieselregen und die klammen Sachen im der Nacht.

Den Aufstieg schaffen wir in zweieinhalb Stunden, ein letzter Blick in die Schlucht, freudestrahlende Gesichter ob des gemeisterten Monstertreks, dankbare Umarmungen, ein Taxi nach Cachora, eine anstrengende Stunde in der Küche mit alten Geschichten von Jan Wilhelm und dann endlich, endlich die mehr als nötige und so wohltuende Dusche nach vier schweißtreibenden Tagen und bestimmt 4000 auf- und abgestiegenen Höhenmetern durch die grandiose peruanische Natur auf den Spuren der Inkas.

Choquequirao wird das neue Machu Picchu – in zwei Jahren wird es eine Seilbahn geben und die Ruinen werden ihre zauberhafte Stille verlieren.

Zurück im Hostel öffnet sich auch endlich der Wolkenmantel um die schneebedeckten Gipfel und bezaubert die müde Wanderin.

2 Kommentare

    1. Bella Babou Autor

      Tatsächlich sind wir auf dieser anstrengenden Wanderung an jedem Tag nur drei bis fünf Wanderern und ebenso vielen Einheimischen mit beladenen Mulis begegnet.

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