Spa in den Bergen

Es regnet, es ist grau und kalt, das Internet ist tot. Das Frühstück ist warm und knusprig, der Kaffee heiß. Um den Tag aufzuheitern, bestelle ich Omelette mit Möhre und krieche satt wieder ins Bett. Bis halb 11 Uhr habe ich noch Zeit. Dann geht die Reise weiter. Die Bolivianos sind gezählt. 40 für den Bus. 50 für die Grenzbeamten, weil mir bei der Einreise kein Stempel in den Pass gedrückt wurde – korruptes Bolivien. Das könnte Probleme geben. Mika hat mir seinen Trick für solche Fälle verraten: no fumo español, ich rauche kein spanisch.

Der bolivianische Grenzbeamte fragt dann garnicht, drückt mir nur wortlos den Stempel für die Ausreise in den Pass. Ebenso der peruanische Kollege, der mir ein Visum für 90 Tage einstempelt. In Puno laufe ich mit vollem Gepäck durch den Markt, trinke frisch gepressten Saft aus Möhre, Ananas und noch einer unbekannten Frucht, bevor ich mich zu den Microbussen nach Juliaca durchfrage.

Nach einiger Lektüre im Internet habe ich mich entschieden, die strickenden Männer auf den schwimmenden Schilfinseln nicht zu besuchen. Das erinnert mich zu sehr an die Langhalsvölker im Norden Thailands, die in einem touristischen Souvenircarré ausgestellt waren, wie in einem Zoo. Damals hatte ich mich sehr unwohl gefühlt. Diese Art Tourismus gefällt mir nicht. Schon Copacabana hat mir gereicht.

In Juliaca fahre ich mit einem der kleinen Mototaxis zu den Microbussen nach Santa Lucia. Ein Kaff, in dem so garnichts ist. Auch keine Busse. Zwei Laster mit Holzaufbau halten, die Beifahrerin des ersten verfrachtet mich kurzerhand in den zweiten und wir fahren hinauf in das kalte, verregnete und teils verschneite Hochland bis Imata. Dort fahren sie in eine andere Richtung weiter. Kaum steige ich mit dem großen Rucksack aus dem Laster, hält ein Bus Richtung Arequipa an, Yoni winkt mich hinein und ich fahre mit ihm und dem zweiten Fahrer Juan im Cockpit weiter durch den Regen. Eine lustige Fahrt, Yoni stellt mich weiteren Fahrgästen als seine zukünftige Frau vor und erzählt, dass er gern in die USA reisen möchte, wo sie an so tollen, antiken Autos schrauben. Und nach Dubai. Auf der Strecke steht ein kaputter Bus, wir laden noch 10 Reisende ein.

Markt in Puno
Mototaxi in Juliaca
Bus kaputt im Hochland
Schnee auf 4500 Meter

Am Abzweig nach Chivay verabschieden sie mich herzlich, ich stehe im Regen. Kurz pinkeln und die Regenjacke aus dem Rucksack gekramt, da kommt der Bus nach Chivay, was für ein Timing. Warm und bequem fahre ich an mein Ziel, das ich beim Lesen eines Reiseblogs zufällig aufgeschnappt hatte. Die Schluchten sollen atemberaubend sein. Dass wir dahin durch dichten Nebel fahren, ignoriere ich gekonnt. Für heute zählen eine warme Mahlzeit und ein warmes Bett. Morgen ist morgen.

Ein warmes Bett gibt es, dazu das Konzert der Regentropfen. Warmes Essen gibt es nur an der Plaza. Die ist mir bei dem Regen zu weit. Ich esse Brot und Käse vom Busbahnhof im Zimmer. Schlafen, erneut auf fast 4000m.

Am Morgen ist der Ort skurril ruhig. Eine triste Melodie klingt über den Sportplatz in meine Ohren, während ich Kaffee koche und den Betrieb auf der kleinen Kreuzung beobachte. Später ist die Melodie noch lauter zu vernehmen. Auf der Kreuzung steht das blaugelbe Müllauto und lädt bei stetig trister Melodie die Abfälle ein. Ich krieche zurück ins warme Bett und trinke Kaffee, während ich im Internet forsche, was es in Chivay zu erleben gibt.

Die alte Inka-Brücke überspannt die tiefe Schlucht, in der der braune Colca-Fluss fließt. Auf dem Berg auf der anderen Seite stehen eine Häuser aus Stein, nicht näher definierte Ruinen vorheriger Zivilisation. Der Blick auf den Ort und die Berge ist schön, nur das Rauschen des Flusses und das Zwitschern der Vögel ist zu vernehmen.

Drei Kilometer den Fluss hinauf – ein gemütlicher Spaziergang – befinden sich die Thermalbäder El Caldera. Entspannung zwischen den Bergen bei unerwartetem Sonnenschein. Fünf Becken gibt es, die Touristen werden in baño 5 geschickt. Danach Essen in einem Restaurant voller Peruaner, Suppe und frittierte Forelle für 7 Soles, da passt auch noch ein Kaffee und ein Stück Schokokuchen im Coffeeshop rein.

Am Busbahnhof steht schon eine Schlange, die auf den Bus nach Cabanaconde wartet. Als er kommt, drängen alle zur Tür, lassen die anderen Fahrgäste kaum aussteigen und stürmen in den Bus. Ich stürme gelassen mit, nachdem ich den Rucksack unten verstaut habe, und kann einen der Sitze auf der rechten Seite ergattern. Da ist die Schlucht auf der Fahrt zu sehen. Und die ist wirklich ein Erlebnis. Der Berg fällt teilweise sehr steil und tief ins Tal hinab.

Der Bus fährt schwungvoll die Kurven entlang. Manchmal bremst er abrupt, wenn Schafe, Kühe oder Hunde die Straße blockieren. In den Dörfern und entlang der Straße hält er, um weitere Fahrgäste einzuladen, manche sind Bauern mit großen, schweren Säcken, die von zwei Männern mit Schwung in den Bus geladen werden. Als wir durch einen langen Tunnel fahren, hält sich meine Nachbarin die Augen zu, bis wieder Licht zu sehen ist. Das Highlight der Strecke, Cruz del Condor, liegt in den Wolken. Morgens und abends soll es dort viele Kondore zu sehen geben. Cabanaconde liegt ebenfalls im Nebel. Das Hostel, das ich in der Karte gefunden habe, ist geschlossen, ich finde das Villa Pastor an der Plaza, preiswert, einfach. In den kleinen Läden um die Plaza mache ich Einkäufe für die Wandertour morgen: Brot, Käse, Gurke, Möhre, Wasser und Chips Ahoi, in Bolivien habe ich als Zuckerlieferant Toddys gefuttert. Es soll nur morgens regnen.

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