Die Hippies sind weg .. oder schlafen

Mit dem Taxi fahre ich ans Ende der Stadt und laufe an den offenen Werkstätten vorbei. Ein Auto hält, eine bolivianische Familie lädt mich ein und wir fahren aus der weißen Stadt hinaus. Ich werde über Deutschland und die Preise ausgefragt und später in einen LKW umgeladen, der Tonnen an Zement Richtung Santa Cruz fährt. Mit durchschnittlich 20 Stundenkilometer zuckeln wir die Berge hinauf und noch langsamer hinunter, bis wie drei Stunden später in Aiquile ankommen. Dort trampe ich mit einem anderen, neueren Zementlaster weiter. Wir fahren etwas schneller, allerdings nicht lange, auf einmal kracht und holpert es, wir halten. Ein paar schmierige LKW-Teile liegen auf der Straße, der Laster ist kaputt. Ich laufe den Berg in der Sonne hinauf, bis mich ein vollgeladenes Colectivo einsackt und in ein kleines Dorf bringt. Den vom Fahrer genannten, horrenden Preis kann ich auf die Hälfte runterhandeln. Von dort geht’s mit einem jungen Paar ein paar Dörfer weiter. Dort soll halb 4 ein Bus Richtung Santa Cruz abfahren. Eine halbe Stunde warten, ich winke dem ersten, langsamen LKW, der mittlerweile auch schon hier ist, zu und warte geduldig. Ein Junge gesellt sich zu mir, fragt nach der Reise und nach Deutschland und erzählt mir von seinem Leben. Ein Bus ist nicht zu sehen. Später steht eine Mutter mit 5 Kindern an der Straße unter dem Baum, es heißt, 6 Uhr fährt ein Bus. Sie sind bald mit einem anderen Bus verschwunden, ich warte weiter. Mit zwei Frauen laufe ich in den Ort, dort warten an einer schattigen, staubigen Ecke zehn Bolivianer auf den Bus, der tatsächlich 6 Uhr kommt und voll ist bis auf einen Platz.

Adios Sucre. Ein Junge genießt den Ausblick.
Im LKW durch Bolivien. Manche Straßen werden gebaut, andere erneuert, wieder andere sind noch Schotterpisten.
Der neue LKW bleibt auf der Strecke, ich laufe weiter.

So fahre ich letztlich doch mit dem Bus und komme halb 12 in Samaipata an. 20 Minuten laufe ich durch den schlafenden Ort und stehe vor einem dunklen Tor. Ich rufe ‚Mika‘ durch die Nacht, die bellenden Hunde haben mich bereits angekündigt. Zum Glück hat er Schlafstörungen bei Vollmond und hört mich. Ein Bier auf der Veranda mit zirpenden Grillen und tiefer Schlaf in seinem hübschen Exil.

Mikas Terrasse und Werkstatt.

Samaipatas Hippies sind tot, der Ort bietet nicht viel. Zeit die vorherigen Erlebnisse zu verarbeiten und mit Mika, der vor 20 Jahren aus Deutschland ausgewandert ist, ein Logo für seinen Motorradverleih zu basteln. Er schraubt glücklich aber durch Amalgam mit Quecksilber vergiftet auf der Veranda an einem Motorrad. Jedes Jahr verbringt er drei Monate in der Schweiz, um Geld zu verdienen. Die Amalgamentfernung in Brasilien hat ihn einen Haufen Geld gekostet, ebenso die Medikamente aus Südafrika und Russland.

Der Tag ist heiß und ich bin faul bzw. sitze ich an Mikas altem Mac und versuche eine Logo zu basteln, das Programm ist auf spanisch und alles dauert ewig. Ich beschließe, am nächsten Morgen nach Cochabamba zu fahren und dann weiter nach La Paz.

Was tun, in Samaipata? Weiter reisen!

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