Von Salz über Gold und Silber bis Zucker äh Sucre

Wir machen eine Tour in die Salar de Uyuni auf 3663 m, die mit 10.500 Quadratkilometern die größte Saline der Welt ist. Zuvor halten wir – wie Hunderte andere Touristen – am Cemeterio de los trenes, dem Friedhof der Eisenbahnen. Ab 1896 wurden damit das Salz und andere Mineralien zum Meer in Chile transportiert. Heute dienen die alten Züge Touristen als Klettergerüst, Fotokulisse und Flächen zum verewigen.

Auf dem Weg in die Salar de Uyuni sehen wir die zarten, scheuen Vicuñas am Straßenrand weiden. Ihr Fell soll die feinste Wolle der Welt geben.

Im Salz gibt es manchmal sprudelnde Wasserlöcher. Dort entfleucht Gas des inaktiven Vulkans Tunupa. Seit 2014 führt die Rallye de Dakar durch die Salzwüste, oder eher daran vorbei. Ein Denkmal erinnert daran. Daneben gibt es Mittagessen im Hotel im Salz.


Die Tour ist sehr touristisch, als wir zum Shoppen am Artesanales-Markt halten, und teilweise langweilig, als wir über eine Stunde im Nichts halten, um ein Fotoshooting mit Dinosaurier und allen möglichen Posen machen.

Auf der Rückfahrt kichern Jiménez, Rocío de mar und Andrea auf der Rückbank, es gibt Mate. Ramona aus der Schweiz nimmt dankbar Tipps für ihre weitere Reise durch Argentinien entgegen. Yoni fährt uns nach einer kurzen Abstimmung vor dem Sonnenuntergang zurück nach Uyuni.

Über eine Stunde Fotoshooting in der Salzwüste mit Plastikdinosaurier uns affigen Posen

Im Ort sind viele Cholas zu sehen, traditionell gekleidete Bolivianerinnen. Die Männer haben sich bereits von der Tradition verabschiedet und tragen westliche Kleidung.

Beim Abendspaziergang fängt es an zu regnen, wir flüchten in ein Restaurant.

Am Morgen gibt es Mate, wir laufen gemütlich zum Busbahnhof, der hier einfach eine Straße mit vielen Busunternehmen ist, kaufen Tickets nach Potosí. Vier Stunden Fahrt auf fast 4000m Höhe.

Potosí bietet Kolonialgebäude und Touren in die Minen. Potosí stinkt. Hunderte Autos und Busse pusten Abgase in die eh schon dünne Luft der 800.000 Seelenstadt. Es stinkt. Im kleinen Zimmer im Alojamiento Ferrocarril kann ich aus Luftmangel nicht schlafen, ich öffne die Tür zum Hof, damit wenigstens etwas Sauerstoff ins Zimmer gelangt. In der Nacht regnet es, was die Situation etwas erleichtert. Ich sehne mich nach saftig grünen Wäldern voll Sauerstoff und Leben. Dass ich Freude an einer Exkursion in die Mine habe, bezweifle ich während ich nach Luft schnappe.

Im Hof des Alojamiento Ferrocarril klopft eine Chola Fleisch (am Vortag tranken wir dort Mate)
Geschlossener Bahnhof, es fahren keine Züge nach Norden
Ale und Vani

Tour in die Mine des Cerro Rico in Potosí

Der reiche Berg, in dem im Jahr 1545 Silber entdeckt wurde, ist durchlöchert wie ein Schweizer Käse. Früher wurden Silber und Gold abgebaut, wodurch Potosí zu einer der reichsten Städte Boliviens wurde. Heute werden eher Zinn, Kupfer, Zink und Blei geborgen. 40.000 Bolivares kostet die Beteiligung am Berg Rico, eine Tonne Gestein bringt 120 Bolivares. Dynamit, Kabel etc. müssen ebenso gekauft werden.
Früher von Kolonialherren hineingetrieben, arbeiten heute – mehr oder weniger freiwillig – 11.000 Minenarbeiter in dem Minen, ein Zehntel davon sind Kinder, manche erst 10 Jahre alt. An der Arbeit hat sich nicht viel geändert. Mit Dynamit wird gesprengt, die tonnenschweren Wagen von zwei mineros durch die Tunnel geschoben. Die Lebenserwartung liegt bei 40 Jahren. Wenn die Eltern sterben, arbeiten die Kinder weiter. Die Arbeit ist nur benebelt zu ertragen. Mit 96protzentigem Alkohol, Coca und Cigarillo de los mineros, der tabacco negro, canela y anis enthält. Das sind auch die Gastgeschenke für die mineros. Wir tappsen in gelben Anzügen, mit Kopflampe und Plastiktüte mit den Gastgeschenken durch die teils matschigen Tunnel. Wenn eine Fuhre Gestein angerollt kommt, quetschen wir uns an die Seite und lassen die Arbeiter vorbei. Am Ende der fast zweistündigen Tour sitzen wir mit ein paar mineros zusammen und danken mit Schnaps und Coca dem Gott der Unterwelt, Luzifer persönlich. Die sechs mineros kichern und quatschen betrunken dazwischen, als die Tourleiterin die Arbeit und die Rituale erklärt. Wie schön ist es, wieder ans Tageslicht zurückzukehren.

Tourguide Alvaro zeigt uns im Bus das Dynamit, das auf dem Markt der mineros legal erworben werden kann
Direkt vor unserer Nase wird der Wagen mit Steinen beladen
Jeder minero hat seinen Arbeitsplatz, dieser arbeitet mit Zange
Überbleibsel der minero-Berauschung
Über zehn Jahre arbeitet dieser minero schon in der Mine
Luzifer sei Dank
Glücklich wieder ans Tageslicht zurückzukehren
Kinder verkaufen Steine

Busfahren macht glücklich. Mit Paolo Nutini in den Ohren zieht die bolivianische Berglandschaft vorbei, Alejandro reicht mir Mate hinüber, mein Nachbar weist mich auf ein paar Highlights, wie die Grenze zum Departement Sucre hin. Unzählige Kurven, Serpentinen, Siedlungen. Bauern arbeiten auf ihren Feldern, Frauen verkaufen am Straßenrand Essen in Tüten, eine alte Frau sitzt bei ihrer Schafherde, Kühe, Esel, Hunde. Der Bus schnauft die Berge hinauf und hinunter, so steil sind sie. Ein Laster ist umgekippt am Morgen als es regnete, er hat die Kurve bergab nicht gekriegt und liegt quer auf der Straße. Ein paar Verkehrshütchen sperren die eine Spur. Alle sind entspannt, nach 4 Stunden sind wir in Sucre. Obwohl der Busfahrer teilweise geheizt ist, sind wir etwas spät, in Potosí ist der Bus nicht angesprungen und der Busfahrer lag eine Viertelstunde unter dem Bus, bis es endlich losgehen konnte.

Wir teilen uns ein Taxi. Vanina und Alejandro suchen sich ein Hostel im Zentrum, wir verabschieden uns schnell, ich fahre weiter zu meinem Couchsurfing Gastgeber Gonzalo am Cerro Churucella. Er lebt mit seiner Familie in einem riesigen Haus, das teilweise für private Feiern gemietet werden kann, mit einer riesigen Terrasse mit einem riesigen Ausblick über die weiße Stadt. Dann sitzen wir mit Tee in seinem kleinen Zimmer, er kaut Coca und zeigt mir all die mehr oder weniger interessanten Dinge, die er selbst gebaut hat. Er redet, ich werde müde und verabschiede mich gegen 8 zu einer langen Nacht erholsamen Schlafs. Endlich frische Luft, ich kann die Tür zur Terrasse offen lassen und fast unter den Sternen schlafen.

Blick von der Terrasse über das nächtliche Sucre

Früh gibt mir Gonzalos Mama Kaffee und Brot. Dann verabschiede ich mich in die Stadt. Sucre ist klein und alles zu Fuß zu erreichen. Der Markt ist hübscher als in Potosí, die Früchte bunt gestapelt, das Fleisch nicht ganz so eklig. In einigen Kirchen kann ich der Messe zusehen. Auf dem hübschen Friedhof ist großer Betrieb. Es ist Sonntag. Die Toten werden besucht. Einige Menschen tragen Leitern, damit können die Besucher die hohen Urnengräber erreichen und mit frischen Blumen und anderen Gaben bestücken. Auch auf der zentralen Plaza 25 de Mayo ist viel Betrieb. Die Einwohner von Sucre drehen Runden, essen Eis, füttern die Tauben. In einem Café an der Ecke bestelle ich Kaffee, damit ich das Internet nutzen kann und erfahre, dass Ale und Vani gerade auf der Plaza sind. Ein freudiges Wiedersehen und wieder Mate. Wir drehen auch eine Runde um den Platz und ich verabschiede mich erneut von diesen zwei wunderbaren Menschen und Reisebegleitern.

In Bolivien überall zu sehen: Ja, Evo, mit dir haben wir eine Zukunft
In Parks und am Bäumen der Stadt Schilder für Naturschutz: Wenn du mich nicht zerstörst, werde ich dir Schatten und Sauerstoff spenden
Plaza de 25 de mayo
Innenhof des Grand Hotel
Altar auf der Straße
Friedhof von Sucre
Urnengräber im modernen Stil

Im Café Metro esse ich Fisch mit Salat und Käsekuchen mit Früchten – mein Magen dreht seit der Milanesa in Potosí eh am Rad. Das Internet sagt mir, dass die Busse nach Santa Cruz nur am späten Nachmittag abfahren und morgens 3 Uhr in Samaipata halten, falls der Fahrer es nicht vergisst, falls der Bus durchhält, falls der Busfahrer nicht betrunken den Berg hinabstürzt. Die Strecke soll sehr abenteuerlich sein, nicht asphaltiert, viele Kurven, viele Unfälle und Tote in der Vergangenheit. Ich entschließe mich, das Trampen in Bolivien zu versuchen. Mit dem Auto bin ich vielleicht eher und sicherer im Hippieort Samaipata.

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