Verfolgungsjagd der Pizza hinterher

Santiago ist schon früh wach. In der Nacht hat er aufgeräumt, die vielen Flaschen entsorgt, abgewaschen. Es ist hübscher jetzt und die Sonne kommt wieder raus zwischen den dicken Regenwolken. Wir setzen uns auf Klappstühlen in die Sonne. Dann verabschiede ich mich. Gerade bin ich auf der Straße, da kommt der Bus, mit dem ich durch Salta zum Busbahnhof fahre. Dort stehe ich eine ganze Weile mit drei anderen gegenüber der zwei Tankstellen an der Straße. Da pfeift eine Frau, die gerade in einen kleinen, alten Lieferwagen steigt und deutet an, dass ich mitfahren kann, bis Güelmes. Sie reden, ich schaue aus dem Fenster.

Im uninteressanten Güelmes nimmt mich Victor mit, der darüber sehr glücklich ist, da er sonst ganz allein ist. Wir fahren zwanzig Kilometer, an der Abzweigung steige ich mitten auf dem Autobahnkreuz aus, laufe über die Brücke und warte im schmalen Schatten des Straßenschildes auf Martin. Er fährt mit seiner hübschen Windhündin nach Tilcara, um sie dort mit einem Rüden zu paaren. Er schlägt vor, in San Salvador de Jujuy etwas zu essen. In einem fast noblen Restaurant esse ich einen fantastischen Salat mit Spinat, Blattsalat, Birnen, Käse und Cranberries. Dann fährt er mich durch wolkenverhangene, grüne Berglandschaften auf die andere Seite der Wolken, wo die Sonne eine trockene, farbenfrohe Landschaft kreiert.

In Puarmamarca findet eine Art Volksfest statt. Hunderte kleine, gebräunte Menschen mit Trommeln und einem schief klingenden Horn ziehen durch die Straßen. Um die Plaza herum werden bunte Pullover, Tücher, Mates und Essen angeboten. Ich probiere Humitas und Tamales. In Maisblätter gewickelte Mais-Käse und Mais-Fleisch-Füllung. Die vegetarischen sind saulecker.

Purmamarca

Ich zelte auf dem kleinsten Zeltplatz. Zwei Reihen mit Tuch überdachte Plätze. Da alles belegt ist, mit circa 15 Zelten, zeigt mir Pepe einen Platz in der Mitte und gibt mir noch eine Matte, um sie unter das Zelt zu legen. Ich habe Ohrstöpsel.

Der kleine Zeltplatz in Purmamarca
Auf dem Zeltplatz wird gekocht mit Musik von Perotá Chingò – Aguas

Eugenia y Víctor nehmen mich mit hinauf zu den Salinas Grandes auf 4100 Metern Höhe.

Mit dem Paar fahre ich wieder hinab, mit einer französischen Familie weiter nach Tilcara und mit dem Bus nach Humahuaca. Auf dem Zeltplatz Bella Vista ohne Blick baue ich mein Zelt in der hintersten Ecke auf, ich brauche erholsamen Schlaf. Im Kiosk frage ich nach dem Berg mit den 14 Farben. Kurz darauf mache ich eine Jeep-Tour zu El Hornocal auf 4340 Metern Höhe, die Serranías de los 14 colores.

Trampen ist in Humahuaca nicht so einfach, viele Taxis, Busse, kaum Autos. Da halten Carina und Eduardo, mit denen ich am Vortag die Tour zum Berg der 14 Farben gemacht hatte, und nehmen mich mit nach La Quiaca. Sie wollen in Bolivien shoppen gehen. Dort ist alles billiger.

Mit einem Urlauberpaar aus Buenos Aires fahre ich zum Zeltplatz in Yavi. Es soll ein schöner Ort sein, muy lindo. Der Zeltplatz hat viele asadores und wenig gerade Wiesen. Ich baue das Zelt auf und schlafe, weil ich Kopfschmerzen wegen der Höhe von 3500 Metern habe. Abends laufe ich durch das leere Dorf und frage mich, was so schön sein soll. Der Friedhof ist noch am interessantesten. Dann komme ich in ein trockenes Flussbett, das zum Fluss führt, eine malerische Kulisse. Große Weiden und saftige Gräser wachsen zwischen zerklüfteten Felsen, durch die sich der Fluss schlängelt. Es dämmert schon, als ich entlang der künstlichen Wasserkanäle zurück zum Zeltplatz laufe. Der Ort ist wie ausgestorben. In einem kleinen Laden kaufe ich Obst für den Morgen und esse im Mirador Canneloni mit Spinat und Salsa.

Als ich zum Zelt zurück komme fängt es an zu regnen und zu stürmen. Blitze und Donner. Das erschwert das Schlafen im sonst menschenleeren Grün.

Morgens scheint wieder die Sonne und es stinkt. Der Zeltplatz wird gesäubert und die Fäkalien an meinem Zeit vorbei in den Fluss gespült. Ich packe zusammen und laufe schnaufend den gepflasterten Weg zum Dorfplatz hinauf. Dort fragt ein alter Mann in einem alten Auto, ob ich nach La Quiaca möchte und nimmt mich mit zur Grenze. Anstehen, Stempel und ich bin in Bolivien. Durch die Hitze laufe ich mehrere Kilometer auf der Suche nach dem Bahnhof. Der ist schon lange verwaist, ich laufe weiter zum Busbahnhof. Dort gibt es keinen Bankautomaten und sie wechseln nur Pesos oder Dollar. Ich frage ein Pärchen aus Buenos Aires, ob sie mir helfen können. Alejandro und Vanina bezahlen mir die Fahrkarte nach Uyuni, der Bus fährt halb fünf, mit Zeitumstellung in fünf Stunden. Wir fahren mit dem Taxi zurück in den Ort, in einer Bank kann ich Geld abheben und ihnen zurückgeben. Wir streuseln durch die Straßen, der ganze Ort ist ein Markt, und kaufen Coca. Soll gut gegen die Höhe sein. Trotzdem habe ich Kopfschmerzen.

Schnellgrenzgang für Händler
Essensstand an der alten Bahnlinie in Villazón

Die Stunden vergehen. Wie haben Hunger. Am Busbahnhof ruft eine Frau laut Pizza, Pizza. Alejandro fraget ob wir Pizza essen wollen und wieviel sie kostet, 15 Bolivares. Die Frau verkauft allerdings keine Pizza, sondern Tickets nach Tupiza. Wir essen in einem der zwei kleinen Restaurants Huhn mit Nudeln, Reis und Pommes. Gemüse gibt es nicht.

Fünf Stunden Warten haben ihr Ende, kurz aufs Klo, dann in den Bus. Der ist allerdings schon fort, Abfahrt war 16 Uhr, nicht 16:30. Kurze Diskussion. Dann spricht Alejandro mit einem Taxifahrer, wir versuchen den Bus einzuholen und in Tupiza zuzusteigen. Das Taxi muss allerdings noch betankt werden. Dann heizen wir mit Vollgas durch die bolivianische Pampa, eine Verfolgungsjagd dem Tupiza-Bus hinterher. Ein paar Ziegen kreuzen die Straße, ein LKW schert schnaufend ein, der bolivianische Polizist nimmt in Zeitlupe den Verkehrskegel von der Straße, zwei Polizisten sitzen mit einer Radarpistole am Straßenrand, Höchstgeschwindigkeit 90 kmh. Der Taxifahrer fährt souverän, dabei freundlich plaudernd, er gibt alles. In Tupiza erreichen wir tatsächlich den Bus. Durch Hupen und Lichthupe wird er zum Stehen gebracht und wir steigen um.

Die Verfolgungsjagd hat ein Ende – wie haben Tupiza eingeholt

Hinter Tupiza wird erst das Gepäck am Straßenrand durchsucht, dann ist die Straße mehr als abenteuerlich. Eine rote Sandpiste schraubt sich steil die rote Felslandschaft hinauf. Als würden wir eine Kleckerburg aus Sand hinauffahren. Neben mir, ganz hinten im Bus, sitzt die dicke, alte bolivianische Frau, kaut Coca, telefoniert laut, macht sich breit und rempelt mich barsch an. Zen. Mit Musik in den Ohren fahre ich gemütlich schaukelnd durch die angebrochene Nacht. Es blitzt in der Ferne. In Uyuni suchen wir uns ein Zimmer für drei und essen Pizza und Omelette.

Nuevos amigos Alejandro und Vanina de Buenos Aires

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